Donnerstag, 28. August 2008


Mir ist gerade beim Durchlesen von Buchempfehlungen auf The Guardian durch den Kopf gegangen: Wenn Briten ein englischsprachiges Buch lesen, das sagen wir von einem Amerikaner geschrieben wurde und die Geschichte eines amerikanischen Pärchens beschreibt, und dieses Pärchen unterhält sich dann im Laufe des Buches etc., geht der Brite dann aus seinem Akzent heraus, oder liest er das ganze Buch auf "Englisch"? Wir Deutschen würden bei einem Buch eines österreichischen Autors ja trotzdem "deutsch" in unserem Kopf reden, obwohl der das ja gar nicht deutsch geschrieben hat, sondern immer Österreichisch im Kopf hatte.

Das ist ja krank. Das verzerrt ja das ganze Buch. Wo kommen wir denn da hin? Waaaaaaah!

| von yetused in Delirium um 03:44 | Kommentieren |

 
Die Stimmen! Die Stimmen sind wieder da!
Sehr gute Frage! Ich muss allerdings sagen, dass ich bei gewissen Büchern bzw. Autoren (Österreicher, Schweizer) durchaus eine andere "Stimme" in meinem Kopf vorlesen höre, und zwar spätestens dann, wenn die ersten Sprachbesonderheiten auftauchen (z.B. wenn jemand etwas "um 20 Franken" verkauft oder "Marillen" isst). Früher reichte mir schon das Schweizer "dass" (mit Doppel-S), z.B. bei Dürrenmatt, um dem kleinen Mann im Kopf einen anderen Zungenschlag zu verpassen. (Wobei das bestimmt immer ein vollkommen peinliches Klischeeösterreichisch bzw. -schweizerdeutsch war). Ich habe in einem etwas anderen Zusammenhang mal darüber geschrieben.
Gerade bei der wörtlichen Rede, die Sie hier als Beispiel nehmen, würde ich sehr stark vermuten, dass auch der Brite hier den inneren Texaner vorlesen lässt. Müsste man mal jemanden fragen, der sich damit auskennt!

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Ähh...nö, denn wenns dem Autor wichtig ist, dann gibt er dem geneigten Leser ja Hinweise oder schreibt gleich in Mundart (Naturalismus oder Volksstück).

Ansonsten gilt: Autorenintention ist zu vernachlässigen, sondern nur das Werk an sich zu interpretieren. Da die Autorenintention nur eine von vielen möglichen Interpretationsmöglichkeiten ist.

Ähem...ja *Brille zurechtrück*

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Aber genau das ist ja das Schlimme. Die Briten lesen Hemingway und in ihrem Kopf ist die Erzählstimme britisch. Das ist mir bei diesen Rezensionen auf der UK-Seite aufgefallen, da englischsprachig = britisch für sie ist. Ist ja eigentlich total verzerrend.

Aber dann müsste man ja erst recht bei Übersetzungen etc. den Koller kriegen. Und da fangen wir jetzt gar nicht mit an. Waaaaaaah!

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Tja: traduttore - traditore,
wie der Italiener so richtig sagt. Sprich: Der Übersetzer ist auch immer ein Verräter am Original. Und aus ähnlich gelagerten Gründen erkennen die Muslime auch keine wie auch inner geartete Übersetzung des Korans als ihre heilige Schrift an, sondern nur das arabische Original.

Was ich zwar ansatzweise verständlich finde, aber halt doch irgendwie beschränkt. Ein Gott, der es nicht geregelt kriegt, dass sein Wort auch anders als in Form von gutturalem Gekrächze und Gehuste eines weltkulturell eher unbedeutenden Wüstenidioms verstanden wird, hat meines Erachtens jeden Anspruch auf Allmächtigkeit verwirkt.

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