Dienstag, 17. Februar 2009
Spiegel Online setzt sich aktuell mit dem Problem der Datenarchivierung von digitalen Medien auseinander. [via netzpolitik]
„Musik ist digital, Kommunikation ist digital, wahrscheinlich wabern bald auch Bücher nur noch als Bits und Bytes durch die Datennetze. Doch werden die kulturellen Schätze so Jahrtausende überdauern - und was werden Archäologen dereinst noch von uns finden?“
Generell kommen in dieser Diskussion neue Medien und Datenträger schlecht weg. Schriftliche Medien wie Papyrus oder Bücher werden noch als das Vorbild gesehen. Ich habe mir einmal ein paar Gedanken gemacht und mich mit Thesen aus dem Spiegel-Artikel auseinandergesetzt.
These: Bücher kann man noch lesen, verschwindende Formate (wie Diskette) oder verblassende Datenträger (wie eine kaputte CD) nicht
Bücher, die älter als ein paar Jahrzehnte sind, kann auch ich kaum lesen. Dazu müsste ich korrekt Sütterlin und Fraktur lesen können. Die Informationen aus Fraktur oder Sütterlin kommen in meinem Geist ähnlich gescrambelt an, wie eine Word98-Datei in einem Word2007 auf einem Vista-PC. Alte Bücher und Schriften sind alles andere als zugänglich. Nur mit gewissen Technologien (weiche Technologien wie Lesen- und Entziffernkönnen) kann ich die Informationen auch korrekt auslesen. Das ist nicht anders als das Floppy-Laufwerk, das ich mir wegen meiner alten Disketten besorgen muss.
Bücher, die noch älter (sagen wir einige Jahrhunderte alt) sind, sind außerdem zerfallen. Weit mehr, als Floppydisks oder Schallplatten aus den 1920ern. Sehr alte Bücher, die noch nicht zerbrochen und zerfallen sind, sind in Archiven zwischen Baumwolltuch und Plastiktüte in klimatisierten Räumen versteckt, zu denen ich keinen Zugang habe. Ironischerweise muss man also eine moderne Technik, wie die des Einscannens benutzen, um die Schriften aus 1730 auch mir zugänglich machen zu können.
Jemand, der Informationen aus jeder Quelle, egal wie alt sie ist, egal auf welchem Datenträger sie gespeichert ist, auslesen möchte musste damals wie heute viele Sprachen und Technologien besitzen. Anno Dazumal musste man Französisch, Latein, Althochdeutsch oder Frakturschrift beherrschen, oder einen Plattenspieler besitzen. Heute muss man um Daten aus diversen Quellen auslesen zu können, eben ein externes Floppydisk-Laufwerk anschließen, einen Kassettenrekorder besitzen, und regelmäßig Datenbackups von einem kleinen, alten USB-Stick, auf einen großen und modernen oder eine portable Festplatte machen. Wer von euch hat einen Lochkartenleser zuhause? Niemand. Wer besondere Daten auslesen will, muss sich die Technologie (Wissen oder harte Technik) dazu besorgen. Daten auf Disketten sind nicht gleichgesetzt mit verschwundenen Daten. Man muss sie nur auslesen können und auf neue Medien übertragen, so wie man alte Bücher einscannt und Dinge von römischen Steinplatten und byzantinischen Tontafeln in Bücher hineinschreibt. Ich habe selbst keine Tontafeln zuhause, sondern benutze neuere Technik um an das Wissen zu gelangen (Gilgamesch im WWW). Informationen auf alten Datenträgern werden immer auf neue übertragen. Da ist auch bei den „Papyrus-Schriften aus der Antike“ so. Die gibt es heute in Buch- oder digitaler Form. Und schon vor uns hat die jemand abgeschrieben.
Zweite These: Archäologen der Zukunft werden sich fragen, weshalb von unserer hoch technologisierten Zeit so wenig Daten übrig geblieben sind
Erstmal: Von uns wird immer noch mehr an Büchern und Schriften und Bronzetaflen vor Kirchen, und Bankengebäude in Frankfurt übrig bleiben, als von irgendeiner anderen Zivilisation zuvor.
Zweitens: Private Daten sind redundant. Wir sollten uns selbst als nicht so wichtig erachten, als dass unser genauer Lebensstil für das Verständnis unserer Kultur wichtig ist. Von irgendeiner Person wird der Tagesablauf schon noch rekonstruierbar sein. Und im Zweifel kann man immer noch Rückschlüsse durch unseren verrotten Müll auf uns ziehen.
Viel mehr sehe ich das Problem nicht als ein Problem der Wissenschaft der Zukunft, die etwas über mich herauszufinden versucht und es dann nicht mehr kann, weil der USB-Stick mit meinen Urlaubsfoto geschmolzen ist, sondern als mein persönliches Problem des Handlings. Vor ein paar Jahren fiel mir schon auf, dass ich zu meiner Jugend am Ende der 90er Jahre und Anfang der 2000er keine Fotos habe. Digitalkameras kamen auf (damals hat man sogar noch Disketten gebraucht und hatte ca. 3 Gig Festplatte auf dem Computer) und man hat fröhlich rumgeknipst. Manchmal hat man dann auch 2-3 Bilder auf den Computer hochgeladen, und wenn man noch keinen USB-Slot hatte, hat man das dann auch einfach gelassen und schlichtweg des Knipsens wegen geknipst. Die auf dem Computer befindlichen Fotos haben dann nur die gut Betuchten ausgedruckt, da Farbpatronen für den Drucker unerschwinglich waren und man dieses teure Fotopapier auch nicht kaufen wollte. Stationen für digitales Ausdrucken der Bilder in Drogeriemärkten kamen erst ein paar Jahre später auf. Diese Zeit nenne ich die Zeit der verlorenen Bilder. Es gibt keine Bilder von meiner Konfirmation und folgender Jugend, da die geschossenen Bilder nie entwickelt worden sind, und es 1999 noch keine Fotocommunities wie Flickr gab und auch keine portablen Geräte, wie Handies oder iPods, mit denen Fotos herumgezeigt worden sind. Palms hatten nur Geschäftsleute für ihre Kontakte. Diese Spanne von ca. 5 Jahren ist bedauerlich. Ich nehme sie jedoch als Transitionsphase hin, in der Aufnahmemedien schon weit entwickelt waren (Digitalkameras), Speicher- und Abspielmedien aber noch nicht. Heute sind alle meine Fotos auf dem Rechner in Ordner abgeheftet, auf meinem Handy zeigebereit, wie einst das ausklappbare Portfolio aus der Brieftasche, und die Filmrollen für die Spiegelreflexkamera meiner Mutter geben wir auch noch schön brav bei dm zum Entwickeln ab. Es koexistieren beide Formate – physische, glänzende Bilder mit Fettflecken drauf, und die Widescreen-Bilder aus meinem Laptop. Nur braucht es eben 2 Monate bis die Rolle bei meiner Mutter voll ist, und wir die entwickelten Fotos sehen können. Die anderen sind gleich da.
Außerdem: Ein Vergessen über eine ganze Zivilisation, wie etwa unser Wissen über die Römer verschütt gegangen ist und zu Zeiten der Renaissance erst wiederentdeckt werden musste, wird so nicht mehr stattfinden. Unser Wissen über die ganze Welt, auch über kleine uninteressante Kulturen, wird durch Geschichts- und Kulturunterricht in der Schule, durch immer wiederkehrende Repetition in Nachrichten und Medien, durch Gespräche und Interesse, in unserem Kopf gespeichert, und zu jeder Zeit an unsere Kinder weitergegeben. Wir haben das Wissen in unseren Köpfen und geben es ständig weiter. Wir haben Schulpflicht und Interesse an Vergangenem, das auch über die Grenzen unseres eigenen Landes und Kultur hinausgeht. Geschichtsinteresse in vergangenen Zeiten hat sich oft auf Propaganda in eigenen Zwecken (Römer) beschränkt, auf Spirituelles (Griechen) oder nostalgische Gefühle (die Romantiker und ihr Interesse and Märchen und Ägyptischem). Nicht zu letzt war für die meisten Staatstragenden nur die Geschichte des eigenen Landes interessant, und mit Untergang der Zivilisation ging auch das gesamte Wissen über eben diese verloren (ein paar Steintafeln, Skulpturen, Machtbauten und Rechtsdokumente können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir nicht viel über die Mittelmeer-Kulturen wissen). Nur übergreifende Instanzen, wie Cicero, der auch über Europa oder Israel berichtet hat, geben uns heute noch Aufschluss über Zusammenhänge. Das wird heute so nicht mehr geschehen. Ganz im Gegenteil. Jedes Land und jede Kultur hat das Wissen über die anderen Kulturen im eigenen Wissensstand gespeichert. Gibt es Europa nicht mehr, können immer noch die Amis oder Chinesen und ihre Nachfahren über uns berichten. Und arg viel eingefärbter durch den eigenen Blickwinkel als bei Cicero kann das gar nicht sein. Kein Wissen geht mehr verloren. Egal welche Datenträger wir benutzen. Und schlägt mal ein Meteor auf der Erde ein oder bomben wir uns mit Atombomben weg (wie anachronistisch) dann soll es auch nichts mehr zu berichten geben bzw. wird immer noch genug übrig bleiben, das unsere mutierten Nachfahren oder die Aliens mit CSI-Methoden ausfindig machen können.
Generell gilt immer das gleiche Schema: Informationen von alten Datenträgern (Steintafel, Buch, Diskette) auf neue übertragen, die derzeit Stand der Dinge sind. Warten, bis sich die Technik weiterentwickelt hat, und dann auf diesen Datenträger übertragen. Ein Buch überlebt keinen Brand, eine Steintafel kein Erdbeben und eine Festplatte keine magnetische Strahlung und Zeit. C’est la vie.
Und ihr braucht ja wohl nicht glauben, dass Facebook eure Daten im Leben nochmal loslässt.
„Musik ist digital, Kommunikation ist digital, wahrscheinlich wabern bald auch Bücher nur noch als Bits und Bytes durch die Datennetze. Doch werden die kulturellen Schätze so Jahrtausende überdauern - und was werden Archäologen dereinst noch von uns finden?“
Generell kommen in dieser Diskussion neue Medien und Datenträger schlecht weg. Schriftliche Medien wie Papyrus oder Bücher werden noch als das Vorbild gesehen. Ich habe mir einmal ein paar Gedanken gemacht und mich mit Thesen aus dem Spiegel-Artikel auseinandergesetzt.
These: Bücher kann man noch lesen, verschwindende Formate (wie Diskette) oder verblassende Datenträger (wie eine kaputte CD) nicht
Bücher, die älter als ein paar Jahrzehnte sind, kann auch ich kaum lesen. Dazu müsste ich korrekt Sütterlin und Fraktur lesen können. Die Informationen aus Fraktur oder Sütterlin kommen in meinem Geist ähnlich gescrambelt an, wie eine Word98-Datei in einem Word2007 auf einem Vista-PC. Alte Bücher und Schriften sind alles andere als zugänglich. Nur mit gewissen Technologien (weiche Technologien wie Lesen- und Entziffernkönnen) kann ich die Informationen auch korrekt auslesen. Das ist nicht anders als das Floppy-Laufwerk, das ich mir wegen meiner alten Disketten besorgen muss.
Bücher, die noch älter (sagen wir einige Jahrhunderte alt) sind, sind außerdem zerfallen. Weit mehr, als Floppydisks oder Schallplatten aus den 1920ern. Sehr alte Bücher, die noch nicht zerbrochen und zerfallen sind, sind in Archiven zwischen Baumwolltuch und Plastiktüte in klimatisierten Räumen versteckt, zu denen ich keinen Zugang habe. Ironischerweise muss man also eine moderne Technik, wie die des Einscannens benutzen, um die Schriften aus 1730 auch mir zugänglich machen zu können.
Jemand, der Informationen aus jeder Quelle, egal wie alt sie ist, egal auf welchem Datenträger sie gespeichert ist, auslesen möchte musste damals wie heute viele Sprachen und Technologien besitzen. Anno Dazumal musste man Französisch, Latein, Althochdeutsch oder Frakturschrift beherrschen, oder einen Plattenspieler besitzen. Heute muss man um Daten aus diversen Quellen auslesen zu können, eben ein externes Floppydisk-Laufwerk anschließen, einen Kassettenrekorder besitzen, und regelmäßig Datenbackups von einem kleinen, alten USB-Stick, auf einen großen und modernen oder eine portable Festplatte machen. Wer von euch hat einen Lochkartenleser zuhause? Niemand. Wer besondere Daten auslesen will, muss sich die Technologie (Wissen oder harte Technik) dazu besorgen. Daten auf Disketten sind nicht gleichgesetzt mit verschwundenen Daten. Man muss sie nur auslesen können und auf neue Medien übertragen, so wie man alte Bücher einscannt und Dinge von römischen Steinplatten und byzantinischen Tontafeln in Bücher hineinschreibt. Ich habe selbst keine Tontafeln zuhause, sondern benutze neuere Technik um an das Wissen zu gelangen (Gilgamesch im WWW). Informationen auf alten Datenträgern werden immer auf neue übertragen. Da ist auch bei den „Papyrus-Schriften aus der Antike“ so. Die gibt es heute in Buch- oder digitaler Form. Und schon vor uns hat die jemand abgeschrieben.
Zweite These: Archäologen der Zukunft werden sich fragen, weshalb von unserer hoch technologisierten Zeit so wenig Daten übrig geblieben sind
Erstmal: Von uns wird immer noch mehr an Büchern und Schriften und Bronzetaflen vor Kirchen, und Bankengebäude in Frankfurt übrig bleiben, als von irgendeiner anderen Zivilisation zuvor.
Zweitens: Private Daten sind redundant. Wir sollten uns selbst als nicht so wichtig erachten, als dass unser genauer Lebensstil für das Verständnis unserer Kultur wichtig ist. Von irgendeiner Person wird der Tagesablauf schon noch rekonstruierbar sein. Und im Zweifel kann man immer noch Rückschlüsse durch unseren verrotten Müll auf uns ziehen.
Viel mehr sehe ich das Problem nicht als ein Problem der Wissenschaft der Zukunft, die etwas über mich herauszufinden versucht und es dann nicht mehr kann, weil der USB-Stick mit meinen Urlaubsfoto geschmolzen ist, sondern als mein persönliches Problem des Handlings. Vor ein paar Jahren fiel mir schon auf, dass ich zu meiner Jugend am Ende der 90er Jahre und Anfang der 2000er keine Fotos habe. Digitalkameras kamen auf (damals hat man sogar noch Disketten gebraucht und hatte ca. 3 Gig Festplatte auf dem Computer) und man hat fröhlich rumgeknipst. Manchmal hat man dann auch 2-3 Bilder auf den Computer hochgeladen, und wenn man noch keinen USB-Slot hatte, hat man das dann auch einfach gelassen und schlichtweg des Knipsens wegen geknipst. Die auf dem Computer befindlichen Fotos haben dann nur die gut Betuchten ausgedruckt, da Farbpatronen für den Drucker unerschwinglich waren und man dieses teure Fotopapier auch nicht kaufen wollte. Stationen für digitales Ausdrucken der Bilder in Drogeriemärkten kamen erst ein paar Jahre später auf. Diese Zeit nenne ich die Zeit der verlorenen Bilder. Es gibt keine Bilder von meiner Konfirmation und folgender Jugend, da die geschossenen Bilder nie entwickelt worden sind, und es 1999 noch keine Fotocommunities wie Flickr gab und auch keine portablen Geräte, wie Handies oder iPods, mit denen Fotos herumgezeigt worden sind. Palms hatten nur Geschäftsleute für ihre Kontakte. Diese Spanne von ca. 5 Jahren ist bedauerlich. Ich nehme sie jedoch als Transitionsphase hin, in der Aufnahmemedien schon weit entwickelt waren (Digitalkameras), Speicher- und Abspielmedien aber noch nicht. Heute sind alle meine Fotos auf dem Rechner in Ordner abgeheftet, auf meinem Handy zeigebereit, wie einst das ausklappbare Portfolio aus der Brieftasche, und die Filmrollen für die Spiegelreflexkamera meiner Mutter geben wir auch noch schön brav bei dm zum Entwickeln ab. Es koexistieren beide Formate – physische, glänzende Bilder mit Fettflecken drauf, und die Widescreen-Bilder aus meinem Laptop. Nur braucht es eben 2 Monate bis die Rolle bei meiner Mutter voll ist, und wir die entwickelten Fotos sehen können. Die anderen sind gleich da.
Außerdem: Ein Vergessen über eine ganze Zivilisation, wie etwa unser Wissen über die Römer verschütt gegangen ist und zu Zeiten der Renaissance erst wiederentdeckt werden musste, wird so nicht mehr stattfinden. Unser Wissen über die ganze Welt, auch über kleine uninteressante Kulturen, wird durch Geschichts- und Kulturunterricht in der Schule, durch immer wiederkehrende Repetition in Nachrichten und Medien, durch Gespräche und Interesse, in unserem Kopf gespeichert, und zu jeder Zeit an unsere Kinder weitergegeben. Wir haben das Wissen in unseren Köpfen und geben es ständig weiter. Wir haben Schulpflicht und Interesse an Vergangenem, das auch über die Grenzen unseres eigenen Landes und Kultur hinausgeht. Geschichtsinteresse in vergangenen Zeiten hat sich oft auf Propaganda in eigenen Zwecken (Römer) beschränkt, auf Spirituelles (Griechen) oder nostalgische Gefühle (die Romantiker und ihr Interesse and Märchen und Ägyptischem). Nicht zu letzt war für die meisten Staatstragenden nur die Geschichte des eigenen Landes interessant, und mit Untergang der Zivilisation ging auch das gesamte Wissen über eben diese verloren (ein paar Steintafeln, Skulpturen, Machtbauten und Rechtsdokumente können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir nicht viel über die Mittelmeer-Kulturen wissen). Nur übergreifende Instanzen, wie Cicero, der auch über Europa oder Israel berichtet hat, geben uns heute noch Aufschluss über Zusammenhänge. Das wird heute so nicht mehr geschehen. Ganz im Gegenteil. Jedes Land und jede Kultur hat das Wissen über die anderen Kulturen im eigenen Wissensstand gespeichert. Gibt es Europa nicht mehr, können immer noch die Amis oder Chinesen und ihre Nachfahren über uns berichten. Und arg viel eingefärbter durch den eigenen Blickwinkel als bei Cicero kann das gar nicht sein. Kein Wissen geht mehr verloren. Egal welche Datenträger wir benutzen. Und schlägt mal ein Meteor auf der Erde ein oder bomben wir uns mit Atombomben weg (wie anachronistisch) dann soll es auch nichts mehr zu berichten geben bzw. wird immer noch genug übrig bleiben, das unsere mutierten Nachfahren oder die Aliens mit CSI-Methoden ausfindig machen können.
Generell gilt immer das gleiche Schema: Informationen von alten Datenträgern (Steintafel, Buch, Diskette) auf neue übertragen, die derzeit Stand der Dinge sind. Warten, bis sich die Technik weiterentwickelt hat, und dann auf diesen Datenträger übertragen. Ein Buch überlebt keinen Brand, eine Steintafel kein Erdbeben und eine Festplatte keine magnetische Strahlung und Zeit. C’est la vie.
Und ihr braucht ja wohl nicht glauben, dass Facebook eure Daten im Leben nochmal loslässt.
| von yetused in Klugwerden um 14:38 | Kommentieren |
nnier,
Dienstag, 17. Februar 2009, 15:57
Ich zerbreche mir
auch nicht so sehr die Köpfe zukünftiger Archäologen. Was mich schon manchmal ins Grübeln bringt, ist, wie die Daten an Menge, aber eben auch an Flüchtigkeit zunehmen. (Steintafel vs. SuperhyperDVD). Beispiele aus meiner persönlichen Erfahrung: Alte s/w-Fotos halten gut, die Negative sind OK; alte Farbfotos (mehr Information) machen schon Probleme, das betrifft Negative und Abzüge; Digitalfotos halten nicht lang (die Abzüge) bzw. bringen das Problem des ewigen Sicherns und Updatens mit sich.
Briefe, die ich als Kind bekommen habe, lagern in einem Schuhkarton und sind gut erhalten. E-Mails von vor 5 Jahren habe ich nicht mehr. Schallplatten von vor 50 Jahren sind OK, CDs von vor 20 Jahren nicht. Mein Hüpf- und Sammelspiel, das ich auf dem Atari 800 XL programmiert habe, wäre nur mit großem Aufwand zu retten.
Man kann jedes Jahr Zeit einplanen, um die Daten auf den jeweils aktuellen Träger im jeweils aktuellen System zu übertragen. Aber wer tut das? Und wer tut es in der ferneren Zukunft?
Ich habe mir angewöhnt, die analoge Kamera zu benutzen, außer fürs Blog. Die Negative hab' ich dann relativ sicher. Es ist auf jeden Fall auch Nostalgie dabei, ganz klar. Zusätzlich habe ich aber auch ein Problem mit den immer kürzeren Zyklen. Also: Die schon damals alte Spiegelreflexkamera, die mir mein Opa vor 25 Jahren geschenkt hat, funktioniert perfekt. Meiner Samsung-Digitalkamera gebe ich 2, 3 Jahre.
Briefe, die ich als Kind bekommen habe, lagern in einem Schuhkarton und sind gut erhalten. E-Mails von vor 5 Jahren habe ich nicht mehr. Schallplatten von vor 50 Jahren sind OK, CDs von vor 20 Jahren nicht. Mein Hüpf- und Sammelspiel, das ich auf dem Atari 800 XL programmiert habe, wäre nur mit großem Aufwand zu retten.
Man kann jedes Jahr Zeit einplanen, um die Daten auf den jeweils aktuellen Träger im jeweils aktuellen System zu übertragen. Aber wer tut das? Und wer tut es in der ferneren Zukunft?
Ich habe mir angewöhnt, die analoge Kamera zu benutzen, außer fürs Blog. Die Negative hab' ich dann relativ sicher. Es ist auf jeden Fall auch Nostalgie dabei, ganz klar. Zusätzlich habe ich aber auch ein Problem mit den immer kürzeren Zyklen. Also: Die schon damals alte Spiegelreflexkamera, die mir mein Opa vor 25 Jahren geschenkt hat, funktioniert perfekt. Meiner Samsung-Digitalkamera gebe ich 2, 3 Jahre.
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yetused,
Dienstag, 17. Februar 2009, 19:34
Das mit den Aufnahmemedien, die gleich wieder kaputtgehen, ist ja so gewollt. Man hätte auch die Kameras von damals so bauen können, dass sie schnell zerfallen. Aber das hätte sich niemand getraut bzw. wäre es ja unsinning Dinge herzustellen, die nicht funktionieren.
Heute dient der Absatz von Geräten nur noch um Aktienkurse zu subventionieren. Die Geräte funktionieren dann halt nur noch während der Garantiezeit (wenn man Glück hat).
Man könnte die Kameras, denke ich, schon so konzipieren, das sie lange funktionieren. Das mag mit den Speicherkarten nicht so sein, aber da kann man sich wie einen neuen Film, ja nach 10 Jahre neue kaufen.
Heute dient der Absatz von Geräten nur noch um Aktienkurse zu subventionieren. Die Geräte funktionieren dann halt nur noch während der Garantiezeit (wenn man Glück hat).
Man könnte die Kameras, denke ich, schon so konzipieren, das sie lange funktionieren. Das mag mit den Speicherkarten nicht so sein, aber da kann man sich wie einen neuen Film, ja nach 10 Jahre neue kaufen.
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der_papa,
Donnerstag, 19. Februar 2009, 09:42
Ich habe für meine Tochter den Schuhkarton voller Bilder aus dem Fundus meiner Oma durchsucht und reichlich Bilder von den Vorfahren eingescannt. Ich bin froh, dass diese Bilder aus der Zeit zwischen 1920 und 1980 weder von einem Tintenstrahldrucker kamen (bleicht stark aus unter Lichteinfluss) noch auf einem digitalen Medium gespeichert waren (8"-Diskette, Datasette, Winchester-Disk). Sicher, ich habe die Bildinformation von einem Medium auf ein anderes übertragen. Aber uns machen ja schon Computerdaten von vor 30 Jahren Sorgen. Stellen wir uns vor, Computer gäbe es seit 1920?
PS: Canon hat bei seinen ersten professionellen Digitalkameras vor ca. 10 Jahren einmal das RAW-Format geändert. Seit dem müssen Profifotografen einen alten Computer abstellen der mit einem alten Windows und einer alten Canon-Software arbeitet, damit die RAW-Bilder (die sich nicht übertragen lassen, dass ist eine Eigenschaft des bei Profis überaus beliebten RAW-Formates) von der alten Kamera noch gelesen werden können. Wehe, denen geht mal die IDE-Platte kaputt und der Händler an der Ecke hat nur ATA-Platten, bestenfalls …)
PS: Canon hat bei seinen ersten professionellen Digitalkameras vor ca. 10 Jahren einmal das RAW-Format geändert. Seit dem müssen Profifotografen einen alten Computer abstellen der mit einem alten Windows und einer alten Canon-Software arbeitet, damit die RAW-Bilder (die sich nicht übertragen lassen, dass ist eine Eigenschaft des bei Profis überaus beliebten RAW-Formates) von der alten Kamera noch gelesen werden können. Wehe, denen geht mal die IDE-Platte kaputt und der Händler an der Ecke hat nur ATA-Platten, bestenfalls …)
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damals,
Samstag, 21. Februar 2009, 21:36
Gut, dass hier schon einige widersprochen haben. Das Hauptproblem hat nnier angesprochen: Es sind die immer kürzeren Zyklen bis zur nächsten Medienumstellung bzw. der Haltbarkeit eines Mediums. Ein Buch von 1730 können Sie unter Umständen noch problemloser lesen als eines von 1930, das schon von der Säure zerfressen ist.Und die Schallplatte von 1920 ist haltbarer als die Musikkassette von 1970.
Nicht teilen kann ich auch Ihren kulturellen Optimus: Natürlich sind private Daten nicht redundant! Sondern immer noch die verlässlichsten Zeugen einer Kultur. Geschichts- und Kulturunterricht muss vereinfachen und didaktisieren, um überhaupt funktionieren zu können und ist daher als verlässlicher Speicher kulturellen Wissens wenig geeignet. Lesen Sie mal ein 1920 geschriebenes Schulbuch über die Zeit der Befreiuungskriege! Sie werden kichern. Der Erlebnisbericht von 1913 ist aber in der Regel immer noch lesbar und informativ.
Nicht teilen kann ich auch Ihren kulturellen Optimus: Natürlich sind private Daten nicht redundant! Sondern immer noch die verlässlichsten Zeugen einer Kultur. Geschichts- und Kulturunterricht muss vereinfachen und didaktisieren, um überhaupt funktionieren zu können und ist daher als verlässlicher Speicher kulturellen Wissens wenig geeignet. Lesen Sie mal ein 1920 geschriebenes Schulbuch über die Zeit der Befreiuungskriege! Sie werden kichern. Der Erlebnisbericht von 1913 ist aber in der Regel immer noch lesbar und informativ.
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yetused,
Sonntag, 22. Februar 2009, 00:47
Das Problem der Produktzyklen ist menschengemacht. Man muss dann wohl in Qualität investieren, um auch in der Nachwelt noch einen Eindruck zu hinterlassen.
Oder eben es machen, wie ich es beschrieben habe: Die Daten immer wieder pflegen, möglicherweise auf einen neueren Datenträger übertragen.
Oder glauben Sie etwa die gemalten Bilder, die wir noch aus dem Mittelalter haben, sind einfach so 600 Jahre irgendwo rumgelegen und sehen jetzt noch so prächtig aus? Nein, sie wurden schon damals gut behandelt und regelmäßg gepflegt, wenn nicht gar in den diversen Generationen raustauriert und farblich übermalt. Man kann fast schon sagen, dass von vielen alten Gemälden heute nur noch "Kopien" existieren, in dem Sinne, dass alle Originalfarbe bereits mit neuerer Farbe übermalt worden ist, und sei es Klarlack. Nur durch "Updaten" des alten Datenträgers durch viele Jahrunderte hinweg, ist die Information auch heute für uns noch auslesbar. Die unwichtigen Bilder, um die sich niemand gekümmert hat, existieren bereits nichts mehr. So sehe ich es auch für unsere Daten. Die wichtigen, werden immer weitergetragen und gehen dadurch nicht verloren. Egal welchen Datenträger man sich dann in Zukunft ausdenkt (ist bei digitalen Daten ja ziemlich flexibel).
Steintafel mögen aus der Antike 1:1 übertragen worden sein. Aber wieviel Datenmaterial passt da schon drauf? Nicht mehr als auf die Brozetafeln vor Kirchen, die wir heute noch haben. Wir sind also mindestens auf dem gleichen Stand wir die Römer o.ä.
Für unsere Nachfahren haben wir bereits genausoviel durch eben solche Tafeln und Gebäude und Architektur (Architektur ist, nicht erst seit der Theorie des Marshal McLuhan, ein Medium) manifestiert. Alles darüber hinaus haben wir bereits in Bücher geschrieben (seit wann wird Literatur nur noch in PDF-Form ausgegeben? Es wird auch in Zukunft noch gedruckt. Es wird defakto zur heutigen Zeit mehr auf Papier gebracht, als jemals zuvor).
Dass ich unsere privaten Daten für alles andere als wichtig halte, ist auch kein Kulturpessimismus, sondern Demut. Wir selbst sind schlichtweg nicht wichtig. Sobald, wie oben beschrieben, man den Tagesablauf auch nur eines einzigen "Menschen 21ten Jahrhundert" rekonstruieren kann, ist eigentlich alles gesagt.
Und Erlebnisberichte sind schön, um den Seelenzustand eines Menschen, oder dessen kulturelles Wissen, abzufragen, sind aber auch nicht mehr wert als ein Blog, das zu 9/11 eröffnet wurde. Und jeder scheint ja Blogs irrelevant zu finden. Dann soll es wohl auch so sein.
Oder eben es machen, wie ich es beschrieben habe: Die Daten immer wieder pflegen, möglicherweise auf einen neueren Datenträger übertragen.
Oder glauben Sie etwa die gemalten Bilder, die wir noch aus dem Mittelalter haben, sind einfach so 600 Jahre irgendwo rumgelegen und sehen jetzt noch so prächtig aus? Nein, sie wurden schon damals gut behandelt und regelmäßg gepflegt, wenn nicht gar in den diversen Generationen raustauriert und farblich übermalt. Man kann fast schon sagen, dass von vielen alten Gemälden heute nur noch "Kopien" existieren, in dem Sinne, dass alle Originalfarbe bereits mit neuerer Farbe übermalt worden ist, und sei es Klarlack. Nur durch "Updaten" des alten Datenträgers durch viele Jahrunderte hinweg, ist die Information auch heute für uns noch auslesbar. Die unwichtigen Bilder, um die sich niemand gekümmert hat, existieren bereits nichts mehr. So sehe ich es auch für unsere Daten. Die wichtigen, werden immer weitergetragen und gehen dadurch nicht verloren. Egal welchen Datenträger man sich dann in Zukunft ausdenkt (ist bei digitalen Daten ja ziemlich flexibel).
Steintafel mögen aus der Antike 1:1 übertragen worden sein. Aber wieviel Datenmaterial passt da schon drauf? Nicht mehr als auf die Brozetafeln vor Kirchen, die wir heute noch haben. Wir sind also mindestens auf dem gleichen Stand wir die Römer o.ä.
Für unsere Nachfahren haben wir bereits genausoviel durch eben solche Tafeln und Gebäude und Architektur (Architektur ist, nicht erst seit der Theorie des Marshal McLuhan, ein Medium) manifestiert. Alles darüber hinaus haben wir bereits in Bücher geschrieben (seit wann wird Literatur nur noch in PDF-Form ausgegeben? Es wird auch in Zukunft noch gedruckt. Es wird defakto zur heutigen Zeit mehr auf Papier gebracht, als jemals zuvor).
Dass ich unsere privaten Daten für alles andere als wichtig halte, ist auch kein Kulturpessimismus, sondern Demut. Wir selbst sind schlichtweg nicht wichtig. Sobald, wie oben beschrieben, man den Tagesablauf auch nur eines einzigen "Menschen 21ten Jahrhundert" rekonstruieren kann, ist eigentlich alles gesagt.
Und Erlebnisberichte sind schön, um den Seelenzustand eines Menschen, oder dessen kulturelles Wissen, abzufragen, sind aber auch nicht mehr wert als ein Blog, das zu 9/11 eröffnet wurde. Und jeder scheint ja Blogs irrelevant zu finden. Dann soll es wohl auch so sein.
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damals,
Sonntag, 22. Februar 2009, 21:40
... ich verstehe, da sind wir auf dem Punkt: blogs sind für mich nicht irrelevant - und kulturell, politisch, sozial oft wacher als Zeitungsartikel. Ist wahrscheinlich eher eine Frage des persönlichen Geschmacks.
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yetused,
Montag, 23. Februar 2009, 20:26
"Ist wahrscheinlich eher eine Frage des persönlichen Geschmacks."
Denke ich nicht. Blogs sind persönliche Belange, Meinungen, "Opinions". Meinungsstreit wird auch in Büchern dargestellt (als ob wir auf Blogs andere Meinungsstreits darstellen könnten, als die, die es schon seit Ewigkeiten gibt.)
Blogs sind nichts Neues. Ob ich mich jetzt im Freundeskreis im Wohnzimmer unterhalte, oder auf Blogs daherrede, ist irrelevant für das kulturelle Wissen. Sofern man weiß, welche unterschiedlichen Standpunkte es gab, ist alles gesagt. Das reicht dann einmal aus, und muss nicht in 30.000-facher Ausführung für die Nachwelt aufbewahrt werden. Blogs haben bis jetzt nichts neu erfunden. Das Rad auch nicht.
Denke ich nicht. Blogs sind persönliche Belange, Meinungen, "Opinions". Meinungsstreit wird auch in Büchern dargestellt (als ob wir auf Blogs andere Meinungsstreits darstellen könnten, als die, die es schon seit Ewigkeiten gibt.)
Blogs sind nichts Neues. Ob ich mich jetzt im Freundeskreis im Wohnzimmer unterhalte, oder auf Blogs daherrede, ist irrelevant für das kulturelle Wissen. Sofern man weiß, welche unterschiedlichen Standpunkte es gab, ist alles gesagt. Das reicht dann einmal aus, und muss nicht in 30.000-facher Ausführung für die Nachwelt aufbewahrt werden. Blogs haben bis jetzt nichts neu erfunden. Das Rad auch nicht.
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vert,
Donnerstag, 26. Februar 2009, 02:02
da möchte ich doch dieses von don alphonso noch in den ring werfen.
(geschäftsmensch war ich übrigens nie...;-)
(geschäftsmensch war ich übrigens nie...;-)
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